Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, in Leipzig. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Buchbranche zwischen Katastrophe und Hoffnung

Die Corona-Pandemie hat der Buchbranche einen schwierigen Start ins Jahr 2021 beschert. Der Lockdown, der in den meisten Bundesländern auch die Buchläden betroffen hat, hat nach Angaben des Börsenvereins zu deutlichen Umsatzeinbußen geführt.

Und auch der Trubel, den sonst im Frühjahr die Leipziger Buchmesse rund ums Buch auslöst, fällt wieder aus. Wie schon 2020 wurde die Buchmesse abgesagt.

Bis einschließlich April habe der Sortimentsbuchhandel ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorkrisenjahr 2019 eingefahren, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, am Mittwoch in Leipzig. Das sei eine «Katastrophenzahl».

Mehr als die Hälfte aller Bücher werde in Deutschland nach wie vor über den stationären Handel verkauft. Über alle Vertriebswege hinweg habe sich das Umsatzminus auf 8 Prozent summiert. Die Buchbranche brauche daher jede Aufmerksamkeit, sagte Schmidt-Friderichs.

Als wenigstens kleinen Ersatz für die abgesagte Buchmesse haben die Veranstalter eine Sonderausgabe des Lesefestes «Leipzig liest» organisiert. Rund 400 Veranstaltungen stehen bis zum Sonntag auf dem Programm. Die meisten sind Online-Runden, aber zu knapp 100 davon soll auch Publikum zugelassen werden. Autoren wie Christoph Hein oder Sebastian Fitzek werden in Leipzig sein.

«Ganz viele Menschen hoffen, dass das der Neuanfang ist», sagte Schmidt-Friderichs. So wie sie Leipzig kenne, werde es «Leipzig liest extra» gelingen, den erhofften Optimismus zu versprühen.

Die Leipziger Messe hatte ihre Bücherschau eigentlich 2021 unbedingt veranstalten wollen. Dafür war der angestammte Termin im März extra auf Ende Mai gelegt worden. Doch im Januar stand fest, dass auch das nicht zu halten sein würde. Es war nach der Absage 2020 und der Digital-Ausgabe der Frankfurter Buchmesse im vorigen Herbst das dritte Mal, dass eine große Bücherschau mit Publikum ausfallen musste.

Buchmesse-Direktor Oliver Zille gab sich am Mittwoch dennoch zuversichtlich. Es gebe eine sehr positive Grundstimmung in der Branche, «die wir in den nächsten Tagen transportieren wollen», sagte er. Zudem schlug Zille auch schon den Bogen ins nächste Jahr: 2022 werde es vom 17. bis 20. März wieder eine Leipziger Buchmesse geben.

Aufmerksamkeit auf das Buch werden in den nächsten Tagen neben Lesungen und Diskussionsrunden auch verschiedene Preisverleihungen ziehen. Am Mittwochabend stand die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung an László Földényi für das Jahr 2020 und Johny Pitts für 2021 an. Am Freitag wird der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Er ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert und wird in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben.

Von Birgit Zimmermann, dpa

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