Heike Makatsch, Hugh Grant und Laura Linney (l-r) bei der Premiere 2003 in München. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Ursula Düren/dpa)

Weihnachtsklassiker «Tatsächlich… Liebe» wird 20

Am Anfang eine Szene am Flughafen. «Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow», erzählt Hugh Grant, während man in Zeitlupe zusieht, wie sich Menschen bei ihrer Ankunft am Airport in die Arme fallen. «Es wird allgemein behauptet, wir lebten in einer Welt voller Hass und Habgier. Aber das stimmt nicht.»

Die Tragikomödie, die in Deutschland am 20. November 2003 anlief, heißt im englischen Original «Love Actually». Der Film beginnt fünf Wochen vor Weihnachten und verwebt die Geschichten mehrerer Menschen in Großbritannien. Manche Kinos zeigen ihn nun zum Jubiläum in den Wochen vom 23. November an in restaurierter Fassung.

Seit dem Start 2003 gehört der Streifen zu den Filmen, die Menschen in der Adventszeit immer wieder noch einmal anschauen. Weil ein Weihnachten ohne für sie halt nicht so richtig Weihnachten ist.

Hugh Grant verliebt sich darin als britischer Premierminister in eine Mitarbeiterin («Wen muss man hier flachlegen, um eine Tasse Tee und einen Schokoladenkeks zu bekommen?»). Bill Nighy singt mit Silberkettchen «Christmas is all around me». Und Rowan Atkinson («Mr. Bean») braucht lange, um ein Geschenk zu verpacken. Sehr lange.

Was der Regisseur heute zum Film sagt

Regisseur Richard Curtis ist sozusagen der König der Rom-Coms, also der romantischen Komödien. Er hat die Drehbücher zu «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» und «Notting Hill» geschrieben, auch am Drehbuch zu «Bridget Jones» hat er mitgearbeitet.

Beim Literaturfestival im englischen Cheltenham gab er kürzlich seiner Tochter Scarlett Curtis ein Interview. Die Autorin stellte ihrem Vater bei der Veranstaltung der Zeitungen «Times» und «Sunday Times» etliche Fragen. Manche Leute meinten, dass er mit seinen Filmen unrealistische Erwartungen an die Liebe geweckt habe. Ob er das auch so sehe?

Wenn er das getan habe, sei es nicht seine Absicht gewesen, antwortete der Regisseur. Er glaube, dass Liebe im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle spiele. «Aber wenn jede Darstellung von Liebe nur zeigt, wie sie schiefgeht, dann hat man nichts, was einem Hoffnung schenkt.»

Manches sei heute nicht mehr witzig

Seine Tochter merkte recht humorvoll an, dass ihr Vater mittlerweile einiges von ihr über Feminismus gelernt habe. Und dass manche die Darstellung von Frauen in einigen seiner Filme kritisierten. Etwa wenn «Bridget Jones» übergewichtig sein soll, aber von einer dünnen Frau gespielt werde. In «Tatsächlich… Liebe» wird die Mitarbeiterin des Premiers, Natalie (Martine McCutcheon), als pummelig dargestellt und für ihre angeblich riesigen Oberschenkel kritisiert.

Außerdem zeigten seine Filme nur wenige schwarze Menschen, zählte seine Tochter auf. In «Tatsächlich… Liebe» gebe es Vorgesetzte, die sich problematisch verhielten wie etwa der Premierminister. Ob er davon rückblickend etwas anders machen würde?

«Ja. Ich wünschte, ich wäre der Zeit voraus gewesen», sagte Curtis, wie auf einem Mitschnitt der Gesprächsrunde des Festivals zu hören ist. Über manches habe er nicht genug nachgedacht. «Ich weiß noch, wie schockiert ich vor fünf Jahren war, als Scarlett zu mir sagte: «Du kannst nie wieder das Wort fett benutzen.»» Sie habe recht gehabt. «Diese Witze sind heute einfach nicht mehr witzig.»

Geliebte Szenen, parodierte Szenen

Als «Tatsächlich… Liebe» ins Kino kam, fielen die Meinungen unterschiedlich aus. Ein Kritiker des «Guardian» nennte den Film eine nett verpackte Wohlfühlkomödie. Mit einigen Ausnahmen seien viele der Geschichten aber Schrott. In der «New York Times» wurde kritisiert, der Film sei ein unverdaulicher Christmas Pudding und ähnele einer Greatest-Hits-Zusammenstellung eines Plattenlabels. Das Branchenmagazin «Variety» dagegen glaubte an den Erfolg des Films.

Dass der Film bis heute gerne geguckt wird, könnte nach Einschätzung des Regisseurs auch daran liegen, dass man oft nicht mehr weiß, welche Szene eigentlich als nächstes kommt. Tatsächlich werden so viele Storys erzählt, dass so manche Episode bis zum nächsten Jahr wieder in Vergessenheit gerät.

Zudem gibt es höchst unterschiedliche Lieblingsgeschichten zu entdecken. Die Frau, deren Ehe zu scheitern droht (Emma Thompson mit Alan Rickman)? Der Regierungschef, der zu «Jump» von den Pointer Sisters tanzt (Hugh Grant eben)? Oder doch Schauspielerin Keira Knightley, die auf Pappkarten ein Liebesgeständnis bekommt? Diese Szene – Frau steht an der Tür, während ihr der beste Freund ihres Ehemanns mit Kartons seine Gefühle gesteht – wurde oft nachgemacht. Vom früheren Premier Boris Johnson etwa. Oder in der Serie «Ted Lasso» – da geht es dann allerdings um Mundgeruch. Das ist eine andere Geschichte.

Von Julia Kilian, dpa

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